Rede im Deutschen Bundestag am 29. September zu TOP 10 Partizipation und Selbstbestimmung älterer Menschen

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Paul Lehrieder (CDU/CSU):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Auch ich darf Ihnen einen schönen Nachmittag wünschen; ich bin froh, dass Sie da sind. - Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! 52,6 Jahre - das ist das Durchschnittsalter der Abgeordneten des Deutschen Bundestages in der 18. Wahlperiode.

(Michaela Noll (CDU/CSU): Das war jetzt nicht nett!)

Zwar stellen die 50- bis 59-Jährigen die größte Gruppe, aber 46 Parlamentarier sind immerhin über 65. Diese Kolleginnen und Kollegen sind selbstverständlich mit dem gleichen Engagement und Biss bei der Arbeit wie die Jüngeren unter uns. Stimmt‘s, Heinz?

(Heinz Wiese (Ehingen) (CDU/CSU): So ist es!)

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland hat sich im letzten Jahrhundert fast verdoppelt. Die Erhöhung der Lebenserwartung gehört zu den Errungenschaften moderner Gesellschaften. Experten schätzen, dass im Jahr 2020 gut ein Drittel der Deutschen zur Generation 65 plus gehören wird. Bis zum Jahr 2040 wird sich die Zahl der über 80-Jährigen auf mehr als 8 Millionen verdoppeln. Diese Erfolgsgeschichte ist erst im Zug des demografischen Wandels zum Gegenstand allgegenwärtiger politischer und medialer Diskurse geworden. Deshalb, liebe Frau Kollegin Wagner, ist es Ihr Antrag, wie schon gesagt, durchaus wert, dass man ihn sich in Ruhe anschaut. Auch ich habe ihn natürlich sehr gründlich gelesen. Die Überschrift „Partizipation und Selbstbestimmung älterer Menschen stärken“ können wir, glaube ich, alle mittragen; das ist überhaupt kein Thema. Das Altern hat sich verändert; das wissen wir. Die Menschen leben heute nicht nur deutlich länger, sondern sie sind auch gesünder und länger agil. Gleichzeitig steigt der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich. Die Alterung ist also eine zentrale Komponente der demografischen Entwicklung Deutschlands; das ist Common Sense, und das haben wir alle auf dem Schirm.

Wir werden Ihren Antrag - um das gleich vorwegzunehmen, damit Frau Dörner mich am Schluss nicht ausschimpfen muss - natürlich nicht heute, aber in Zukunft ablehnen.

(Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Aber Sie finden ihn gut! Das ist ein erster Schritt!)

Wir werden uns den Antrag im Ausschuss sehr gründlich daraufhin anschauen, ob etwas Ordentliches, Vernünftiges und Sinnstiftendes darin enthalten ist. Ich will ja nicht unterstellen, dass nicht auch die Grünen eventuell gute Ideen zu den Potenzialen des Alters haben; das ist kein Thema.

(Steffi Lemke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Was ist denn heute los mit euch?)

Die in vielen Köpfen vorherrschenden Altersbilder sind keineswegs nur positiv; auch darauf wurde in dieser Debatte schon mehrfach hingewiesen. Oftmals wird das Alter mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit gleichgesetzt. Natürlich gibt es ältere Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv am Leben teilnehmen können. Doch die Mehrzahl der Generation 65 plus ist fit, steht mitten im Leben und fühlt sich noch lange nicht alt. Ganz im Gegenteil: Keine bisherige Generation älterer Menschen war besser qualifiziert und leistungsfähiger als die heutige. Viele können und wollen deshalb über das eigentliche Rentenalter hinaus noch arbeiten; Kollege Wiese hat bei der Debatte über die Flexi-Rente, die wir heute früh in diesem Hohen Haus geführt haben, völlig zu Recht darauf hingewiesen.

Es gibt aber auch Menschen, die nicht bis zur Regelaltersgrenze berufstätig bleiben können, selbst wenn sie es wollten. Gerade weil die älteren Menschen in unserem Land keine homogene Gruppe darstellen, ist es wichtig, den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand individuell gestalten zu können. Möglichkeiten hierzu schafft das heute in erster Lesung beratene Flexi-Rentengesetz.

Den Kolleginnen und Kollegen von den Grünen möchte ich noch die Lektüre der weiterentwickelten Demografiestrategie der Bundesregierung ans Herz legen. Darin gibt sie unter dem Titel „Für mehr Wohlstand und Lebensqualität aller Generationen“ umfassende Antworten auf die Bevölkerungsentwicklung und legt dar, was bereits erreicht worden ist und wo weitere Anstrengungen unternommen werden müssen. So zeigt beispielsweise das Handlungsfeld „Selbstbestimmtes Leben im Alter“ die vielfältigen Maßnahmen der Bundesregierung auf, damit Menschen bis ins hohe Alter aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Frau Kollegin Wagner, vergangene Woche haben wir im Ausschuss den Freiwilligensurvey 2014 beraten; wir haben ihn uns dort vorstellen lassen. Da haben sicherlich auch Sie zur Kenntnis genommen: Im Jahr 1999 haben sich immerhin 23 Prozent der über 65-Jährigen ehrenamtlich engagiert, im Jahr 2004 waren es 26,4 Prozent der über 65-Jährigen, im Jahr 2009 waren es 29,1 Prozent der über 65-Jährigen, und im Jahr 2014 waren es 34 Prozent der Menschen, die über 65 sind, die sich ehrenamtlich und freiwillig in der Gesellschaft engagiert haben. Ich glaube, das ist eine tolle Zahl. Sie verdient einen Applaus; dann habt ihr auch die Gelegenheit, zu klatschen.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Wenn Sie sich die Statistik zum Anteil der freiwillig Engagierten, aufgeteilt nach Fünf-Jahres-Altersgrenzen, anschauen, stellen Sie fest: Von den 50- bis 54-Jährigen sind 46 Prozent freiwillig engagiert, von den 65- bis 69-Jährigen 43,7 Prozent und von den 70- bis 74-Jährigen 39,9 Prozent. Erst ab einem Alter von 75 Jahren, wenn die körperliche Leistungsfähigkeit verständlicherweise etwas nachlässt, sind es nur noch 26 Prozent. Das heißt, die Potenziale des Alters sind schon im Freiwilligensurvey unwahrscheinlich eindrucksvoll nachgewiesen, meine Damen und Herren.

Mit dem Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser trägt die Bundesregierung darüber hinaus - darauf wurde bereits hingewiesen - zur Entwicklung sorgender Gemeinschaften vor Ort bei. Die Parlamentarische Geschäftsführerin Michaela Noll - sie ist gerade hinausgegangen - hat vorhin gestrahlt, weil sie heute die erfreuliche Mitteilung bekommen hat, dass in ihrem Wahlkreis ein neues Mehrgenerationenhaus geschaffen werden kann. Ingrid Pahlmann strahlt jetzt noch, weil auch ihr Wahlkreis ein neues Mehrgenerationenhaus bekommt.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Mein Wahlkreis bekommt leider keines, lieber Sönke. Ich werde mich bei der nächsten Runde wieder einmal melden; vielleicht habe dann auch ich eine Chance.

Frau Staatssekretärin, an diesem Programm müssen wir uns weiter entlanghangeln. Ich glaube, es ist ein Erfolgsprogramm. Wie der Name schon sagt, fördert ein Mehrgenerationenhaus den Zusammenhalt der Generationen. - Frau Präsidentin, Sie können den Schalter wieder ausmachen. Ich habe gemerkt, dass Sie mich zum Ende drängen wollen.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit, freue mich auf die Beratung Ihres Antrags im Ausschuss und wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.

Danke schön.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)